Ostwald vor 100 Jahren 

  • Das Jahr 1920
    Im September 1919 fand in Stuttgart eine Konferenz des "Deutschen Werkbundes", die gleichzeitig als I. Farbentag ausgerichtet worden war, statt. Im dritten Teil der „Lebenslinien” schreibt Wilhelm Ostwald dazu: „Die Versammlung war sehr gut besucht; ich war von der Sache begeistert und konnte auch die Mehrzahl meiner Hörer begeistern, wie sich aus ihrem Beifall ergab. Aber ein gewisser Teil der Hörer stellte sich sofort auf schärfste  Gegnerschaft ein. Es waren die anwesenden Kunstgelehrten und auch ein guter Teil der Künstler. die Hauptfrage, nämlich die Farbordnung wurde theoretisch anerkannt; hier wagte sich kein Kritiker vor, weil sie nichts davon verstanden, und dies auch wussten. ... Als „Zerstörer der Farbenunschuld” wurde ich später aus diesem Kreise der Öffentlichkeit zum abscheulichen Exempel vorgewiesen ... . Die Angst vor dem drohenden Einbruch der Wissenschaft in die geheiligten Gebiete des mystischen Glaubens wurde so groß, dass unmittelbar nach der Stuttgarter Tagung eine Art Schutzverein dagegen entstand. Die Gefahr wurde in lebhaften wenn auch fehlerhaften Farben beschrieben ... Ich verzichte auf die Schilderung einer ganzen Anzahl anderer Widerstände, welche die Farbenlehre auf ähnlichen Gebieten erfuhr. Tatsächlich ist mir bei keinem meiner Fortschritte ein derart ausgedehnter und einmütiger Widerstand entgegengetreten, ...”
  •         Trotz der gegen ihn gerichteten Polemiken wirbt der Gelehrte in zahlreichen Vorträgen für seine Farbnormen, die Farbharmonien und die Gründung von „Werkstellen”. Im März 1920 initiiert er die Gründung des „Vereins zur  Förderung der Deutschen Werkstelle für Farbkunde”, die im April in Dresden eine erste „Werkstelle” eröffnen kann. Ein Nachteil dieser Institution war ihre private Finanzierung, da in erster Linie die Interessen der Geldgeber vertreten werden mussten. auch waren die Farbenhersteller nicht einbezogen worden. Eine Weiterentwicklung der Farbenlehre, wie in der Satzung vorgesehen, erfolgte nicht. Vom 3. bis 4. Dezember 1920 fand in Dresden der 1. Lehrer-Farben-Tag mit etwa 400 Teilnehmern statt. Die Versammlung nimmt die Farbenlehre von Wilhelm Ostwald grundsätzlich an, beklagt aber deren ungenügende materielle Umsetzung. Um diesem Missstand abzuhelfen, gründet Wilhelm Ostwald bald darauf in Großbothen die „Energie-Werke” GmbH, Abteilung Farbenlehre. Sie können allerdings in der Inflationszeit nicht bestehen.

  •         Wilhelm Ostwald schuf im Alleingang ein auf experimentellen Grundlagen beruhendes Farbsystem. Es zeichnet sich vor allem durch seine Einfachheit und gute Anwendbarkeit in der  Praxis aus. In zahlreichen Büchern, Farbtafeln, „Farborgeln”guOMit dem Ende des Kaiserreiches, der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 und dem Ende des I. Weltkrieges war die Kapitulation De