Wilhelm Ostwald
(1853-1932)
„Erinnern wir uns, dass alles Leben unabänderlich an den Verlauf chemischer Vorgänge gebunden ist. Bekanntlich ist alles materielle Geschehen in der Welt nichts als ‘Umgestaltung der beiden Substanzen’: Masse und Energie“
Ostwald, W.: Die Aufgaben der physikalischen Chemie. Humboldt 6 (1887), Juli, S. 249 ff.
121. Ostwald-Gespräch
Thema: Technisches und Kulturelles
Referent: Prof. Dr. Gerhard Banse, Berliner Zentrum Technik & Kultur // KIT/ITAS
Die wechselseitigen Beziehungen zwischen Technischem (Technik) und Kulturellem (Kultur) sind so alt wie die Menschheit selbst: die technischen Hervorbringungen haben die Kultur und die kulturellen Muster und Praxen haben die Technik beeinflusst, deren Hervorbringung, Veränderung, Verbreitung wie Verwendung. Nicht so alt sind indes die theoretischen Reflexionen über diesen Zusammenhang. Abgesehen davon, dass manche frühen Menschheitsperioden – in der Regel ex post – nach dem technischen oder technisch bedingten Entwicklungsstand benannt werden (z.B. Bronze- oder Eisenzeit) oder sich Ähnliches bezogen auf die Gegenwart findet (z. B. Raumfahrt- oder Atomzeitalter, Industriegesellschaft, Postindustrielle Gesellschaft), wird traditionell (vor allem im deutschen Sprachraum) zwischen Technik und Kultur häufig Fremdheit oder gar ein offener Antagonismus gesehen, auf den gelegentlich mit entsprechenden (Abwehr-)Bewegungen reagiert wurde, z. B. in der Romantik). Das Reden von den „zwei Kulturen“ ist in dieser Hinsicht wohl symptomatisch.
In einer sich globalisierenden Welt mit einem globalen Techniktransfer und sich zunehmend global auswirkenden Folgen technisch instrumentierten Handelns sowie der zugehörenden globalen (interkulturellen) Kommunikation erlangen die Interdependenzen von Technik und Kultur einen hohen Stellenwert: In jüngeren Ansätzen wird deshalb häufig auf die Zusammengehörigkeit beider Bereiche hingewiesen und in den Wissenschaften vielfältig thematisiert. Wie sich Technik und Kultur gegenseitig beeinflussen, durchdringen und bedingen, wird in verschiedenen Disziplinen in den Blick genommen, auf eine je spezifische Weise. Technisches wird zunehmend in seiner Kulturalität, Kultur (auch) in ihrer „Technizität“ („Technikförmigkeit“) analysiert und interpretiert.
Im Vortrag werden aus technikphilosophischer Sicht einige damit zusammenhängende Aspekte etwas näher dargestellt.